SB Chiemgau gewinnt Derby in Anschöring

16.07.2017

In einem Herzschlagfinale in dem sich die Ereignisse grandios überschlugen gelang den Last-Minute-Spezialisten vom SB Chiemgau Traunstein vor 1.800 Zuschauern der perfekte Bayernliga-Einstand und der erträumte Derbysieg gegen den in der Spielklasse erfahreneren Lokalrivalen SV Kirchanschöring. Zum Derbyhelden des SBC wurde Maximilian Probst - der in der 93. Minute eiskalt einschoss. Anschörings neuer Spielertrainer Karayün sah unfassbarer Weise Rot wegen einer Tätlichkeit. Auch zwei weitere Akteure der Gelb-Schwarzen wurden des Feldes verwiesen.

Endlich war es also da und wurde gespielt, das heiß ersehnte Derby zwischen Rupertiwinklern und Chiemgauern. Und sowohl im Vorfeld, also auch in der Partie selbst lagen jede Menge Brisanz (alle Infos zu vor dem Spiel, den Voraussetzungen und dazu was bei den Teams so los ist, könnt ihr HIER nachlesen). Dem wurde das Match am Ende gerecht - eine fußballerische Offenbarung wurde es hingegen nicht. Dafür entschädigte das furiose und mitreißende Ende gehörig.

Ein wirklich schönes Fußballspiel mit feiner Klinge, Kreativität und vielen tollen Offensivszene war aber auch nicht zu erwarten gewesen. Saisonbeginn, Derby, das Prestige in der Region, die Riesenkulisse - zu viel steckte in diesem Bayernliga-Auftaktspiel, als dass es einer hätte verlieren wollen. Dazu kam die grundsätzliche Ausgangslage beider Teams:

Kirchanschöring nach dem Umbruch (Trainer, Co-Trainer und Leistungsträger sind nach Burghausen abgewandert). Erstes Spiel in einer Saison, die sicher nicht leichter werden wird, als die vorhergehenden. Erstes Spiel mit dem "Experiment Spielertrainer". Nach einer Vorbereitung mit teils durchwachsenen Auftritten. Aber mit der Erfahrung von bereits zwei absolvierten Spielzeiten in der fünfthöchsten Spielklasse. Und zuhause.

Traunstein als Neuling in der Liga. Als eingeschworenes Team, welches vielfach bewiesen hat, dass es äußerst kompakt stehen kann, oft die Null hält - und immer in der Lage ist vorne, wann auch immer, irgendwie zuzuschlagen. Darüber hinaus mit nochmals verstärktem Kader. Mit der altbewährten Tugend nie die Geduld zu verlieren - und von einer sicherten Basis ausgehend clever zum Erfolg zu kommen. Ohne dabei ins Risiko zu gehen.

Ein Favorit war schwerlich auszumachen. Manch ein Beobachter sah vielleicht die Gäste leicht im Vorteil - aufgrund der extrem breiten Brust nach dem erfolgreichen Aufstieg, dem Wissen darum, was man zu leisten im Stande ist und der Welle der Euphorie auf der man reitet.

Es entwickelte sich ein Spiel, welches so in etwa abzusehen gewesen war. In dem beide engagiert waren, um jeden Zentimeter Rasen kämpften - aber auch sehr darauf bedacht waren, keinerlei Schwachstelle, keinerlei Anfälligkeit für etwaige Konter zu zeigen. Den Schuh des Teams, welches hier aktiv das Spiel gestalten und machen sollte, wollte sich daher keine von beiden Mannschaften anziehen. Abwarten, schauen wie sich der Auftakt entwickelt und was geht - hieß beiderseitig die Devise. Beide darauf lauernd, dass der andere einen Fehler begeht, sich locken lässt - und man dies dann mit dem eigenen Umschaltspiel nutzen kann. Eine ähnlich reservierte Spielanlage also auf beiden Seiten. Nicht gerade der Stoff aus dem die große Fußballkunst entsteht - aber natürlich nachvollziehbar.



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